Dorian Gray

Heute habe ich „The picture of Dorian Gray“ beendet und obwohl es wesentlich kürzer ist als bspw. „Der Graf von Monte Christo“, kam es mir doch länger vor.

Die rein komprimierte Handlung, also der Plot (oder „der Falke“, wie wir Überlebenden eines generischen Germanistik-Grundstudiums zu sagen pflegen) ist nicht uninteressant. Die Umsetzung zieht sich enorm. Im Anhang steht, dass es schon zur Zeit seiner Veröffentlichung Raubkopien des Werks gab, die man daran erkannte, dass ihm sieben Kapitel fehlen. Ich glaube eher, dass es sich um optimierte Versionen handelte, denen sieben Kapitel überflüssiger Schwurbelei weggetrimmt worden waren.

Zunächst hatte ich mich gefragt, ob ich einfach nur beeinflusst wurde von der modernen, zeitgenössischen Art, wie uns Unterhaltungsmedien in verkürzter, leicht aufzunehmender Art Inhalte vermittelt (in Extremform in „Stories“ wie bei Instagram und TikTok) und dabei Ungeduld schüren und die Fähigkeit, sich auf eine Sache für längere Zeit zu konzentrieren unterminieren. Das mag zu einem gewissen Grad stimmen, aber rückblickend betrachtet erkenne ich im Werk einige Passagen, die nicht mit der eigentlichen Entwicklung der Handlung zu tun haben, sondern eher wie Dehnungen wirken. Die fällt besonders dann auf, wenn dann mal sehr konkrete Ereignisse um Herrn Gray erzählt werden und sich das Lesen auf einmal ganz kurzweilig gestaltet. Bis dies wieder passiert, muss man einen sehr langatmigen Mittelteil überstehen, bei dem teilweise nicht einmal konkret mit den Erlebnissen des Protagonisten zusammen erzählt wird, sondern einfach nur seine Umtriebigkeiten vom Erzähler zusammengefasst werden, en detail. Die Aspekte mögen ihre Relevanz haben, doch ihre Darreichung lässt sie für mein heutiges Auge sehr gezwungen und schleppend aussehen.