Doppelpost

Zwei Phänomene unseres gegenwärtigen gesellschaftlichen Zusammenlebens, die nichts miteinander zu tun haben außer mein Empfinden, dass sie Symptome einer verwässerten, verhätschelten Weltwahrnehmung sind, möchte ich hier umreißen:

Anspruch auf Kooperation
Ganz einfach umrissen meine ich damit: Leute, die wollen, dass andere etwas für sie tun, verhalten sich nicht wie Leute, die um anderer Leute Kooperation bitten, sondern warten aus unerfindlichen Gründen mit Erwartungen und Ansprüchen und implizierter Schuld für den Nicht-Kooperierenden auf, statt sich zu verhalten wie jemand, der auf Hilfe angewiesen ist und dem Angefragten den Wert seiner Hilfe und die zukünftige Dankbarkeit anzudeuten.
Ich habe nichts dagegen, wenn Leuten das Erreichen ihrer Ziele wichtig ist und dass gern auch kleine Ziele, zu deren Erfüllung man angefragt wird, auf größere Ziele einzahlen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Zweck die Mittel derart heiligt, dass eines der Mittel brecheisenartige Unhöflichkeit sein darf.
Entweder ist man auf Kooperation angewiesen oder nicht (wirklich) und wenn ja, dann gibt es eigentlich eine Art Kooperationspakt bei uns zivilisatorisch organisierten Menschen. Einige vergessen oder ignorieren das.

Isolation von Konsequenzen
Der aktuelle Corona-Krise-Kinderquatsch mit Leuten, die sich nicht an extrem einfach einzuhaltende Vorgaben halten wollen, zahlt hierauf natürlich enorm ein, aber auch davor habe ich diesen Eindruck schon oft gewinnen müssen: Folgen von Handlungen werden nicht bedacht und eventuelle Sanktionen nicht als wirklich immanent erachtet.
Das bedeutet nicht, dass ich mir wünsche, dass jedem Falschparker gleich das Auto angezündet wird. Sanktionen müssen gerechtfertigt sein, d.h. eine deutliche Aufklärung über den Verstoß muss vorangegangen sein.
Was danach folgt, sollte unmittelbar sein, denn es wächst mir die Vermutung, dass nur unmittelbare Konsequenzen überhaupt noch als solche wahrgenommen werden. Alles, was zwei oder mehr Ablaufstufen von der ursächlichen Handlung entfernt ist, wird nicht mehr als selbstverursacht verstanden.
Außerdem fände ich es schön, wenn es eine Art Sanktionssolidarität in der Gesellschaft gäbe, eine Art Mob-Mentalität in zivilisierter Form, die kurz vor Heugabeln und Fackeln Schluss macht:
Falschparker vorm Haus? Alle werfen Eier und Mehl auf die Karre.
Störenfried im Kino? Von allen Seiten kommen Popcorn, Nachos, Käse und Cola geflogen.