Die Achtsamkeit des Lesens

Ein neuer Trend ist da: Achtsamkeit, im Fastfood-Sprech-Original „Mindfulness“ genannt, kam es mir erstmals in einer Folge „Explained“ auf Netflix unter, danach etwas später auf YouTube bei Wisecracks „Is it deep or dumb“ und sehr kurz danach als Marketing-Vehikel, womit es Podcasts als „next big thing“ und damit offiziell totgerittenes und daher extrem zu beanspruchendes Konzept abzulösen gedenkt.

Meinem oberflächlichen Verständnis nach beschreibt Achtsamkeit gelebte Meditation: kontrollierte Atmung, reduzierte Reize, Ruhe in sich selbst, Fokussierung der Gedanken auf das sogenannte Hier und Jetzt etc.
Was der konkrete Unterschied zu eigentlicher Meditation oder anderen Trends wie Yoga sein soll, erschließt sich mir aus den Dingen heraus nicht von selbst, interessiert mich aber auch nicht genug, um eine entsprechende Recherche anzustrengen.

Was mir aber an mir selbst aufgefallen ist – bin ja schließlich mir selbst gegenüber brutalst achtsam – ist der Effekt, den eine Lektüre auf mich hat.

Wenn Sinn und Zweck praktischer Übungen der Achtsamkeit sind, die in sonst alle Richtungen schnellenden Gedanken auf einen Punkt zu fokussieren, Atmung und Puls zu verlangsamen und eine körperliche Ruhe herzustellen, macht eine interessante Lektüre genau das mit mir.
Bemerkt habe ich das in letzter Zeit, wenn ich bei Pendeln oder abends daheim gelesen habe, statt eine digitale Beschäftigung zu frequentieren. Alle genannten Effekte ließen sich beobachten. Als Bonus erlebe ich eine Erzählung, die mich idealerweise nicht nur behelfsmäßig ablenkt, sondern wirklich interessiert und meine Aufmerksamkeit ganzheitlich und mit Freude an sich bindet. Dass ich inhaltlich bereichert werde, war mir schon immer klar und Sinn der ganzen Leserei. Dank des Achtsamkeits-Gerede ist mir jetzt auch noch bewusst geworden, dass es eine positive körperliche Komponente gibt.

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