Heim: Arbeit

Ich habe fast zehn Jahre im Berufsleben verbringen müssen, um eine Sache ganz von allein realisieren zu können: Ein Anstellungsverhältnis kann niemals eine emotionale und geistige Heimat sein, nach der man nur lange und intensiv suchen muss und wenn man einander gefunden hat, ist alles gut und wird es für immer bleiben.

„Sucht“ man sich eine Erwerbsarbeit, wird man eigentlich gesucht. Ein Unternehmen sucht jemanden, der’s macht. Für Geld. Es wird jemand gebraucht, der die Fähigkeiten für die Aufgabe hat und mit dem angebotenen Gehalt einverstanden ist. Das Unternehmen sucht nicht jemanden, mit dem es eine emotional gesunde Beziehung aufbauen und pflegen kann, um diesen jemand glücklich zu machen.

Sich „selbst zu verwirklichen“ steht in keiner (ernstzunehmenden) Ausschreibung. Wer sich selbst verwirklicht, macht das für sich selbst, auf eigene Faust und Verantwortung. Angestellter ist man für andere. Man bekommt lediglich eine monatliche Entschädigung.

Das ist keine Ausbeutung, es ist nur ein tragisches Missverständnis, an dessen Auflösung niemand allzu hart arbeiten mag, schon gar nicht in der Schule.

Eine Arbeitsstelle ist nicht der zentrale Knotenpunkt, sie ist eine Begleiterscheinung unserer Gesellschaft und muss auch als Begleiterscheinung einer gesunden Existenz angesehen werden. Arbeit erfüllt uns nicht, wir erfüllen Rollen als Arbeiter und halbwegs pünktlich sollte dann aber auch Feierabend sein.