Benachrichtigungen

Wie bereits angesprochen helfen unsere modernen Technologien der Vernetzung enorm dabei, in Kontakt zu bleiben und Inhalte zu teilen. Beiwerk dieser Entwicklung ist eine Vielzahl an Mitteln und Wegen, sich benachrichtigen zu lassen, um nichts zu verpassen. Man kann nicht nur Profilen folgen, sondern sich allgemein und spezifisch zu neuen Inhalten benachrichtigen lassen. Nimmt man hinzu, dass man zu direkt an einen selbst gerichteten Mitteilungen benachrichtigt wird (Mails, Messenger etc.) kann es gut sein, dass das Mobiltelefon eines durchschnittlichen Menschen durchaus öfter am Tag ein Signal an seine/n Besitzer/in schickt.

Meine Einstellung dieser Dynamik der sofortigen Benachrichtigungen ist von der Grundfrage geprägt, ob man die vermeldete Information / Kommunikation jetzt grade und unmittelbar wissen muss oder nicht. Schwierig daran ist, dass man erst nach dem Erhalt beurteilen kann, ob Dringlichkeit bestand/besteht. Aus dem Moment, in dem man vorher steckte, ist man so oder so aber raus.

Obliegt es nun dem Sender oder dem Empfänger, die Prüfung der Angemessenheit vorzunehmen und gegebene Regulieren anzuwenden? Pauschal kann man dies nicht sagen, da jeder die Auswahl der Kontaktwege anders nutzt und bewertet.

Ich bin mir sicher, dass ich bei überdurchschnittlich vielen Netzwerken und Portalen angemeldet bin, was an meinem generellen Interesse an der Netzkultur und meinem Berufsbild als Social Media Gottkaiser liegt. In meiner Welt gibt es also für alles den passenden Kanal. Andere nutzen SMS für Dinge, die ich über WhatsApp kommunizieren würde. Oder den Facebook Messenger, was bei mir eine E-Mail wäre. Oder Twitter DMs, was ich bei mir WhatsApp wäre usw.

Hinzu kommt die jeweils individuelle Konfiguration von expliziten, gedrosselten und abwesenden Benachrichtigungen (optische, akustische, mechanische Signale des Endgeräts). Explizite Benachrichtigungen machen sofort auf sich aufmerksam. Es piepst, bimmelt, blinkt, vibriert. Gedrosselte Benachrichtigungen laufen an einer Stelle, die eigens für sie vorgesehen ist, ein und warten dort, bis der Nutzer sie liest und gewissermaßen abarbeitet. Abwesende Benachrichtigungen bezeichnet die Abwesenheit von eigenen Hinweisen auf Inhalte außerhalb der Inhalte selbst, d.h. neue Inhalte sind einfach da und werden entweder gesehen oder halt nicht.

Der Empfänger kann nicht wissen, wie der Sender seine Benachrichtigungen organisiert. So passierte es mir mal, dass ich nacht um ein Uhr von einer WhatsApp-Nachricht geweckt wurde, weil der sendende Freund davon ausging, dass mein Telefon nachts dauerhaft stumm sei und ich seine Nachricht ungestört am nächsten Morgen lesen würde.

Ereignisse wie dieses führten dann über längere Zeit auch dazu, dass ich meine expliziten Benachrichtigungen mehr und mehr in gedrosselte überführte. Es hatte sich über einen gewissen Beobachtungszeitraum einfach herausgestellt, dass ich nur weniges wirklich immer sofort wissen musste. Dass ich nach eigenem Rhythmus auf meine gedrosselten Benachrichtigungen schaue, reicht völlig aus. Würde ich ständig auf alles reagieren, würde mir das ständig die Gedankengänge zerreißen und mir den Geist verschleißen. Ich finde es auch sozial gesehen für mich nicht gangbar, meine Mitmenschen darauf hinzuweisen, dass sie bitte für Prio 1 SMS, Prio 2 WhatsApp, Prio 3 Messenger usw. verwenden sollen. Nicht jeder führt jedes Netzwerk und außerdem erscheint mir der Gedanke sicherlich zurecht wie ein enormer Affront, dem immer mitschwingt, dass ich dem Gegenüber durch die Blume sage, dass er/sie nichts Interessantes mitzuteilen hat und mich nur nervt.

Ich reguliere also von meiner Seite aus, meiner mentalen Gesundheit zuliebe, denn ich mache immer irgendwas. Ich bin immer in irgendeinem Thema drin, spiele, lese, schaue, überdenke, texte, konzipiere, plane, überprüfe … irgendwas. Puristisch gesehen sind Benachrichtigungen dann Ablenkungen vom Thema, vom Gedankenfluss. Realistisch gesehen schotte ich mich aber nie hermetisch ab und will ganz allein mit dem einen exklusiven Thema sein – denn dann würde ich einfach das Mobiltelefon in einen anderen Raum verbannen. Wie so oft gilt: die Dosis macht das Gift und vielleicht nicht nur die Dosis der Anzahl und Häufigkeit der Benachrichtigungen sondern die Dosis der Relevanz, jetzt im konkreten Moment diesen einen Sachverhalt vor die eigentliche Beschäftigung, in der ich bin/war zu stellen.

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