24h

In den beiden Sozialen Netzwerken Snapchat und Instagram ist der vergängliche Inhalt kultiviert worden: Bilder und Videos, die nur 24 Stunden lang online und danach für immer fort sind.

Dass einmal veröffentlichte Inhalte automatisch wieder entfernt werden, hat seinen Ursprung im Direktkontakt zwischen Nutzern von Snapchat. Das Alleinstellungsmerkmal dieser App war seit jeher, dass man einander schreibt und beide Seiten keinen dauerhaften Zugriff auf die Inhalte haben – so kann man unbeschwert seine Genitalien herzeigen, ohne dass sie gleich in einer parallelen Gruppendiskussion auf WhatsApp landen. So zumindest der Grundgedanke, blind auf dem Auge, das Screenshots anfertigt.

Wahrscheinlich aus Gründen der Anbiederung an gelernte und noch ganz frische Verhaltensweisen gab es dann auch weltöffentliche Kurzzeit-Inhalte bei Snapchat und mittlerweile hat Instagram das Konzept direkt übernommen und es „Stories“ getauft.

Dass alle Welt nun vergängliche Inhalte veröffentlichen kann/darf/soll/will, befördert bei vielen Nutzern, denen ich folge, dass sie gewissermaßen ihre B-Inhalte auch noch raushauen – denn man ist ja nur 24 Stunden lang damit assoziiert. Darüber hinaus wird ein Nutzer implizit unter permanenten Druck gesetzt, immer und immer wieder ins Netzwerk zu schauen, da er was verpassen könnte, denn der Countdown der 24 Stunden startet ab Veröffentlichung, nicht ab erstem Aufruf pro Nutzer – was fair aber technisch komplizierter wäre.

Aus Sicht der Netzwerke wird alles richtig gemacht: das Veröffentlichen wird unverbindlicher und das Publikum wird zur Wiederkehr erzogen.

Aus meiner Sicht werden die Inhalte lascher und das Folgen unnötig fremdbestimmt.

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