TV

Vor genau einem Monat bin ich aus meinem kleinen 34qm-Appartement in eine vollwertige Wohnung mit 65qm Wohnfläche, einer richtigen Küche und Trennung zwischen Wohn- und Schlafzimmer gezogen. Die Sache, auf die ich rund um meinen Umzug am häufigsten angesprochen wurde, ist ein Fernseher: ob ich mir einen anschaffen werde, jetzt wo ich in meiner richtigen Wohnung auch Platz dafür habe, wohin ich meinen Fernseher stellen werde oder ob ich mir auch einen ins Schlafzimmer hängen will.

Ich hätte nicht gedacht, dass Fernseher noch diesen Stellenwert im Konzept des heimischen Wohnens haben. Für mich ist das Internet viel wichtiger, denn es gibt mir die unüberschaubare Zahl von Möglichkeiten, mich thematisch zu beschäftigen und frei meinen Interessen nachzugehen – auch wenn ich 99% der Zeit nur in 1% meiner Lesezeichen unterwegs bin. Dass mir das Fernsehprogramm, ebenso wie das Radio einfach eine endliche Anzahl nicht verhandelbarer Inhaltsfolgen nach der Logik „Friss oder stirb“ ausspuckt, ist für mich zu einem archaischen Konzept geworden.

Fast alle, die mich auf ein Fernsehgerät angesprochen haben, wohnen mit einem anderen Menschen zusammen. Ist es also die Institution des gemeinsamen Fernsehabends (gern auch als DVD- oder Stream-Abend), der einen Fernseher so selbstverständlich macht? Würde ohne Fernseher jeder nur in Ein-Personen-Aktivitäten (Lesen, Spielen, Surfen) verkriechen?

Aktuell wäre ein Fernseher für mich nur eine visuelle Verlängerung von entweder einem Stream, den ich schaue oder meiner PS4. Da tut es auch ein Monitor.