Feeds

Wenn ich mich durch Massen alberner Posts scrollen möchte, betrete ich hierfür einen separaten Raum – wie ein Raucher, der sich auf die Terrasse verzieht, weil es sich inzwischen einfach so gehört. Dort ist er unter anderen Rauchern, kann sich eine schnorren, anderen Feuer geben und im dedizierten Bereich fürs Rauchen genau dies tun und alle Anwesenden stimmen dem getroffenen Kodex zu, dass hier geraucht wird.

Meine Albernheitsdosen hole ich mir auf 9GAG und Tumblr ab. Erstgenanntes Netzwerk besteht zu über 95% aus spaßrelevantem Inhalt und gibt sich dabei nicht zu viel Mühe, eine Art von Niveaugrenze einzuhalten, was einen ganz besonderen Reiz darstellt. Auf Tumblr hat der Humor, zumindest in meinem Feed, gern mal etwas Hintergründiges an sich. Beide bieten mir also ganz eigene Vorteile und Geschmacksrichtungen. Beide Plattformen haben auch eigene Bewertungssysteme. 9GAG arbeitet sehr puristisch mit Up- und Downvotes und auf Makroebene mit den drei Streams „Hot“, „Trending“ und „Fresh“, Tumblr bietet Herzchen und Reblogs für Wertschätzungssignale und Streueffekte an.

Beide Plattformen haben also Logiken des Weiterreichens: auf 9GAG wird ein „Fresh“-Beitrag durch Upvotes „Trending“ (wo ich mich aufhalte) und durch weitere Upvotes dann „Hot“.

Auf Tumblr vertraue ich meinem von mir selbst zusammengestellten Feed, dass er mir Inhalte zeigt, die mich interessieren dürften. Das ist eine über Jahre organisch gewachsene Konfiguration.

Der krasse Untereschied zu Facebook ist nun also, dass ich auf beiden genannten Kanälen eine Art qualifizierter Vorauswahl der Inhalte erfahre. Diese Qualifiziertheit geht auf Facebook völlig verloren. Dort lässt der Newsfeed-Algorithmus in seine Betrachtungen einfließen, dass die reine „Freundschaft“ mit anderen Personen deren Likes als Faktor qualifiziert, mir die gelikten Inhalte in meinen Feed zu hieven.

Dem ist nicht so.

Es gibt eine Unzahl an oberflächlichen, schlechte gemacht und dem Trend viraler Gags hinterher laufenden Seiten und diese Seiten mit ihren dummen, uninteressanten, unlustigen oder längst durchgenudelten Inhalten werden mir von Einzelpersonen-Langeweile-Likes in den Feed gespült, was niemand wollen kann. Also blende ich mehr aus als dass ich selbst irgendwas like.

Notwehr.

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