Mass Effect

Der Abspann ist durch, die Danksagung der Entwickler gelesen – soeben habe ich „Mass Effect 3“ und die entsprechende Trilogie beendet. Ich habe eine Geschichte miterlebt, die sich über drei komplette Spiele entsponnen hat und nun zu Ende geführt ist.
Rein technisch wäre ich nun in der Lage, noch einmal ganz von vorne anzufangen und andere Entscheidungen zu treffen: ein anderen Mitglied meiner Besatzung in den sicheren Tod zum Wohle der Mission schicken (Teil 1), eine intime Beziehung mit jemand anderem eingehen (Teil 2) oder eine andere Rasse zur Ausrottung verdammen (Teil 3). Ich könnte, aber ich kann nicht, nicht wirklich. Was ich erlebt habe, ist für mich die Saga, wie sie „passiert“ ist. So hat es sich zugetragen und das kann man nicht einfach umbiegen. Ich kann auch nicht etliche Versionen eines guten Films schauen, um meine Neugier zu befriedigen, was passiert wäre wenn…

Erst dachte ich: Vielleicht werde ich irgendwann einmal, wenn einiges an Zeit vergangen ist und die Erinnerungen an die ganz besonderen Momente dieser Saga verblasst sein sollten – jeder Kloß im Hals nach einem Verlust, jede hart mir selbst abgerungene Entscheidung – nochmal ganz von vorne anfangen und es anders angehen. Doch mittlerweile glaube ich, dass ich die eine Version der Geschichte, die zu mir gehört, nunmal erlebt habe. Die Entscheidungen waren meine und ich würde beim gezielt anderen Vorgehen einfach nur der Neugier halber andere Entscheidungen treffen. Es wäre nicht echt. Die Verlockung ist da: ich könnte Fehler vermeiden, mit denen ich jetzt leben musste, aber diese Prise Reue gehört für mich auch dazu, denn es geht gar nicht darum die Missionen perfekt zu erfüllen, sondern darum eine komplexe Geschichte zu erleben und ihren Fortlauf ein Stück weit mitzugestalten. Wie könnte ich da einfach alles planvoll nochmal angehen und gezielt diese Erzählung manipulieren, um eine aalglatte Bilanz zu erzeugen?

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