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„Lesen gefährdet die Dummheit“, „Words create Worlds“, „A Book a Day keeps Reality away“ – diese und andere Sprüche markieren eine für mich anstrengende Attitüde.
Die Botschaft ist folgende: Lesen ist nicht nur toll, sondern kann gar nichts Schlechtes sein und ich bin passionierter Leser und damit auf eine romantische Art und Weise cool und interessant und tiefgründig. Was mich konkret daran stört – neben der prätentiösem Besserwisserei: dass der Akt des Lesens an sich über den Inhalt gestellt wird.
Lesen ist eine Handlung ohne inhärente Wertigkeit oder moralische Güte. Wenn ein Idiot den ganzen Tag nur Gerümpel liest, ist das nicht lobenswert, höchstens dass er während des Lesens niemanden mit seiner Idiotie nervt – dafür hinterher sicherlich umso mehr, denn ihm wird ja permanent eingeredet, dass Lesen toll und wichtig und auf eine romantische Art und Weise cool und interessant und tiefgründig sei. Mich stößt dieses sich als Lesender Präsentieren herzlich ab.

Meiner Meinung nach ist Lesen eine intime Handlung, schließlich gibt es beim Lesen eine stille 1:1-Beziehung zwischen Leser und Text. Daher stören mich die im Netz kursierenden Bilder von Lesenden in allen möglichen Position an allen möglichen Orten. Immer ist die Szenerie verklärt und fast schon kitschig. Die Krönung sind Bilder von mehreren Personen, die für sich aber beieinander Lesen. Grauenhaft. Völlig unsinnig dazu. Beim Lesen bin ich mit dem Text allein und will auch mit dem Text allein sein. Wie ich es allerdings schaffe trotzdem in der U-Bahn zu lesen, ist mir schleierhaft. Wahrscheinlich beschützt mich die Anonymität des einander fremd Seins.

Gutes und überhaupt gern zu lesen ist toll und wichtig und dies will ich auch jedem anraten und befürworte das absolut. Auch darf jeder gute Autoren oder Bücher kundtun. Man beachte und verstehe aber den Unterschied in meiner Darlegung: nicht der Akt ist das Tolle, sondern die guten Inhalte. Sie stellen den Wert dar, das andere ist nur eine Handlung. Ich finde, dass in der Art, wie Lesen an mehreren Stellen immer wieder gern präsentiert wird, es eher darum geht, dass es einfach modisch ist, so als teile man mit „Lesen ist chic, es steht jedem gut.“ und tritt etwas in den Dienst der Mode, verabschiedet es sich bekanntermaßen von jeglicher inhaltlichen Relevanz.

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